Abseitsstellung der Stadt Mülheim a.Rhein.


Bei der "Verstadtlichung" der Pferdebahngesellschaft machte sich die alte Rivalität der Nachbarstädte Köln und Mülheim hemmend bemerkbar. Die auf der rechten Rheinseite gelegene Stadt Mülheim, hervorgegangen aus einer alten fränkischen Siedlung, war nicht weniger stolz auf ihre Vergangenheit wie die auf der linken Rheinseite gelegene Römerstadt Köln.
Beide Städte verdankten ihre Mittelalterliche Entwicklung ihrer Lage am Rheinstrom. Von Köln strahlten die Handelsbeziehungen nach Aachen, Belgien, Holland und Frankfurt aus.
Das wirtschaftliche Hinterland der Stadt Mülheim erstreckte sich über das Bergische Land zur Ruhr und Wupper. Beide Städte erlebten nach den Befreiungskriegen unter preußischer Herrschaft einen großen Aufschwung.
Die Stadt Mülheim verfolgte nicht mit reiner Freude die Ausdehnung der Großstadt Köln auf die rechten Rheinseite mit der Eingemeindung von Deutz und der immer enger werdenden wirtscnaftlichen Verflechtungen mit Kalk und den Großgemeinden Vingst und Merheim.
Bei dem Entstehen der Pferdebahnen hatte die Stadt Mülheim ihre Straßen zum Bau und Betrieb der Pferdebahnen zur Verfügung gestellt. Nach dem Ankauf der Gesellschaft durch die Stadt lehnte sie es ab, einem Verkehrsbetrieb der Stadt Köln ihre Straßen zur Verfügung zu stellen.
Bereits zur Zeit der ersten Verhandlungen über den Ankauf der Pferdebahngesellschaft bildete sich in Mülheim eine Unternehmergemeinschaft, Bauunternehmer Kettler, Mülheim und Fa. Lahmeyer & Co., Frankfurt/Main, die in enger Fühlungnahme mit der Stadtverwaltung Mülheim in der Folgezeit den Bau von Straßen- und Kleinbahnen in Mülheim übernehmen sollte.
Die Kölner Straßenbahn konnte nach der "Verstadtlichung" auf Grund der der Pferdebahngesellschaft erteilten Konzessionen ihren elektrischen Linienbetrieb nach Mülheim nur bis zum 01.10.1904 aufrechterhalten. Von diesem Zeitpunkt an musste der Kölner Straßenbahnbetrieb an der Stadtgrenze, (das ist die alte Grenze zwischen den Gemeinden Deutz und Mülheim) enden, wo die Fahrgäste nach Mülheim auf die Fahrzeuge der Mülheimer Kleinbahnen umsteigen mussten.
Eine Straßenbahnfahrt zur Nachbarstadt Mülheim war also sehr umständlich und teuer. Zuerst von der Gitterbrücke der große Umweg über den Schiffsbrückenbahnhof, Urbanstr, Elberfelder Straße bis zur Stadtgrenze und hier das Umsteigen auf die Mülheimer Kleinbahnen mit Lösung von zwei Fahrscheinen.
Die Umständlichkeit dieses Verkehrs dürfte wohl wesentlich zur Beliebtheit der Köln - Mülheimer Lokalschifffahrt "Müllemer Böötche" beigetragen haben.
Auch der zweite, bald durch die Verlängerung des Straßenbahnbetriebes vom Zoo zur Mülheimer Schiffsbrücke eingerichtete Verkehrsweg über die Mülheimer Schiffsbrücke war nicht weniger zeitraubend, da bei dem regen Schiffsverkehr des Rheines die Brücke im Durchschnitt täglich 59 x ausgefahren wurde und so etwa 6 Stunden am Tage für den Landverkehr geschlossen war.

Mitbenutzungsvertrag mit den Mülheimer Kleinbahnen im Jahr 1909 über die
Durchführung von 2 Kölner Straßenbahnlinien nach Mülheim.

Beide Verkehrsunternehmen, Kölner Straßenbahn und die aus der genannten Unternehrnergemeinschaft hervorgegangenen Mülheimer Kleinbahnen AG, mussten einsehen, dass eine solche Behinderung des Verkehrsflusses zwischen den beiden Städten auf die Dauer beide Unternehmen schädigte. Es kam im Jahre 1909 kurz vor der Betriebseröffnung der Hohenzollernbrücke zu einem Vertrag mit den Mülheimer Kleinbahnen, der den Kölner Straßenbahnen die Durchführung von zwei Kölner Straßenbahnlinien nach Mülheim, und zwar zum Schlachthof und zur Wichheimer Straße gestattete Die Kölner Straßenbahn hatte auf der Rechnungsgrundlage der gefahrenen Wagenkilometer Mitbenutzungsgebühren sowie anteilige Kosten für den Stromverbrauch im Mülheimer Netz zu zahlen.
zurück