Der Omnibus

Im Gegensatz zu anderen Großstädten Deutschlands (z.B. Berlin), wo in der Bedienung des Nahverkehrs in großem Umfange auch Pferdeomnibusse zum Einsatz kamen, blieb der Pferdeomnibusbetrieb in Köln auf eine Linie beschränkt. - Sieht man von einem vorübergehenden Linienbetrieb eines privaten Halters (Ehrenfeld - Köln) Ende der 1870er Jahre ab, so kam er nur auf der Strecke Ehrenfeld, Heliosstraße - Bocklemünd bzw. nach Verlängerung des Straßenbahnbetriebes bis Bickendorf auf der Strecke Bickendorf - Bocklemünd zum Einsatz. Dieser Pferdebahnomnibuseinsatz bestand bis 1917.

Erster Benzinomnibusversuch im Jahre 1907

Dagegen haben sich die städtischen Bahnen schon in den Kinderjahren des Kraftomnibusbetriebes mit der Einsatzmöglichkeit dieses neuen Fahrzeuges in ihrem öffentlichen Verkehr befasst. Wie schon oben erwähnt, hatte man bei der Elektrifizierung der Pferdebahn vorläufig noch auf der Strecke Flora - Nippes den Pferdebahnbetrieb beibehalten, da das geringe Verkehrsaufkommen die Kapitalinvestierung für den elektrischen Ausbau dieser Strecke nicht rechtfertigte. Dieser Pferdebahnbetrieb bestand noch bis zum Jahre 1907. Auf Grund der technischen Fortschritte des "Automobilsmus" machte man den Versuch, ihn durch den Einsatz von Benzin-Omnibussen zu ersetzen. Der Versuch stand unter keinem glücklichen Stern. Es wurden zwei Wagen beschafft, der eine mit Benzinmotor, geliefert von der Automobilfabrik Gaggenau, der andere angetrieben mit einer Kombination von Benzin- und Elektromotor, geliefert von der Kölner Firma Geist. Nach einer Betriebszeit von über 1 Jahr musste dieser Omnibusbetrieb Ende 1909 als unrentabel eingestellt werden. Die Betriebskosten je Wagenkilometer stellten sich bei den neuen Omnibussen, mit einem Fassungsraum von nur rd. 20 Personen, auf über 74Pf, während die Betriebskosten je Wagenkilometer im Straßenbahnbetrieb, mit einem Fassungsraum von 30 Personen je Wagen nur 25 Pf. betrugen. Nachdem im ersten Weltkrieg und seinen Folgejahren der Automobilbau und ins besondere der Omnibusbau große Fortschritte gemacht hatte, wurde im Jahre 1925 auch im Kölner Nahverkehr der Omnibuseinsatz großzügig wieder aufgenommen.

Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft (Rheinische Verkehrsgesellschaft)


Es wurden im Jahre 1925 zwei Gesellschaften gegründet. Die eine Gesellschaft "Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft m.b.H" sollte den Betrieb von Kraftverkehrslinien im Überlandverkehr übernehmen. Das Stammkapital der Gesellschaft belief sich auf 970 000 Mark, das von den beteiligten Kommunalverbänden, den Städten Köln, Neuß, Remscheid, Rheydt, Solingen und den Landkreisen Bergheim, Düren, Euskirchen, Neuß, Köln, Grevenbroich, Lennep, Mülheim am Rhein, Rheinbach, Schleiden und Solingen aufzubringen war.
Die Stadt Köln war an der Gesellschaft mit einem Betrage von 360 000 Mark, also mit über 30 % des Gesellschaftskapitals aus Mitteln der Straßenbahn beteiligt.
Das neue Unternehmen nahm unter der Geschäftsführung der Straßen- und Vorortbahnen zunächst einen durchaus günstigen Verlauf. Der Wagenbestand betrug 1928, 28 Omnibusse, die Zahl der betriebenen Linien belief sich auf 15 mit einer Gesamtlinienlänge von 500 km.
So wurden von Köln Kraftverkehrslinien nach Düren, Neuß, Solingen, Remscheid, Blankenheim, Rheinbach, Grevenbroich Knappsack, Altstädten, Bergheim, Gleuel und von Grevenbroich nach Rheydt, von Groß- königsdorf nach Dormagen und von Neuß nach Dormagen und Rommerskirchen einge- richtet. Im Jahre 1928 wurden bereits über 1,5 Kio. Wagenkilometer, geleistet und rund 1,4 Mio. Fahrgäste befördert. Auch finanziell war die Lage des Unternehmens unter Berücksichtigung der kurzen Anlaufzeit durchaus verheißungsvoll.
Inzwischen hatte sich in Köln zur Zusammenfassung der in Westdeutschland entstandenen Verkehrsgesellschaften in eine große Dachgesellschaft die "Rheinische Verkehrsgesellschaft AG." unter Beteiligung von 9 Städten, 33 Landkreisen, der Reichsbahn, des Verkehrsministeriums und der Rheinprovinz mit einem Aktienkapital von 10 Mio. Mark gebildet.
Obwohl die neue Dachgesellschaft im Jahre 1923 mit einem großen Verlust abschloss, wurde mit Vertrag vom 01.04.1929 die mit ihrem Betrieb gut angelaufene Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft an die Rheinische Verkehrsgesellschaft verpachtet. Von der Rheinischen Verkehrsgesellschaft sollten als fester Pachtsatz die bisher bei der Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft erwirtschaftete Abschreibung und wenigstens 2% des erzielten Umsatzes bezahlt werden. Es zeigte sich bald, dass sich die mit der Gründung der Rheinischen Verkehrsgesellschaft gehegten Erwartungen namentlich bezüglich des Beitritts der übrigen kommunalen und privaten Kraftverkehrsgesellschaften nicht erfüllten.
Der Konjunkturrückgang und das allgemeine Absinken des Verkehrsaufkommens nach 1929 untergruben die Wirtschaftlichkeit der in ihrer Verwaltung zu großzügig aufgezogenen Rheinischen Verkehrsgesellschaft vollkommen.
Infolge Vermögensverfall konnte der vereinbarte Pachtsatz an die Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft nicht gezahlt werden. Der Vertrag mit der Rheinischen Verkehrsgesellschaft wurde deshalb mit Wirkung vom 01.01.1932 gekündigt.
Es war nicht zu vermeiden, dass die Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft ein Opfer des Auseinanderfalls der Rheinischen Verkehrsgesellschaft wurde.
Bei den beteiligten Kommunen versprach man sich von der eigenen Weiterführung des Betriebes der Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft keinen Gewinn mehr. Man nahm deshalb das Angebot der Reichspost auf käufliche Übernahme der Gesellschaft an, um wenigstens 90 % des eingezahlten Gesellschafts-kapitals zu retten.
Mit Wirkung ab 01.04.1932 ging so der große Wagenpark der Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft und vor allem das in Pionierarbeit entwickelte Liniennetz mit den erworbenen Konzessionen in den Besitz der Reichspost über. Die Reichspost gewann dadurch im Kölner Raum ihre bis in die heutigen Tage beherrschende Stellung in der Ausübung des Omnibusbetriebes.
Diese heute als sehr kurzsichtig empfundene Verkehrspolitik der beteiligten Kommunalverbände, die ihre große Pionierarbeit in der Verkehrserschließung des Kölner Raumes gegen einen billigen Kaufpreis an die Kraftpost abtraten, ist nur aus der Finanznot der Gemeinden in dem Wirtschaftsniedergang Anfang der 30er Jahre zu erklären.

Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft.


Als zweite Gesellschaft wurde im Jahre 1925 die Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft m.b.H. gegründet. Diese Gesellschaft bezweckte, wie schon der Name erkennen lässt, die Ausübung des Omnibusbetriebs in den Straßen der Stadt Köln, als Ergänzung des bestehenden Straßenbahnnetzes. Sie war eine rein städtische Gesellschaft. Das Gesellschaftskapital in Höhe von 800 000 Mark wurde von der Straßenbahn zur Verfügung gestellt, die auch die Betriebsführung ausübte.

Das Verkehrsnetz des Städtischen Omnibusbetriebes.

1925
wurde die erste innerstädtische Omnibuslinie von Kalk über Buchforst nach Mülheim eröffnet.
1926
erfolgte die Verlängerung dieser Linie bis Flittard. Auf der linken Rheinseite wurden im Zuge der Gürtelstraßen von Bayenthal über Zollstock - Sülz - Lindenthal - Ehrenfeld - Nippes nach Zoo und von Merheim lrh. nach Weiler weitere Linien in Betrieb genommen.
1927
erfolgten Linieneröffnungen von Lindenthal nach Höhenberg und nach Gremberg. Außerdem wurde zur Abwehr fremder Konzessionsansprüche eine Linie Ubierring nach Reichensperger Platz - zuerst mit der Führung über die Ringstraßen- später mit der Führung über Bismarckstraße - Moltkestraße - Roonstraße - eröffnet. Diese Linie bestand bis zum Jahre 1931
1928
konnte mit der Eröffnung des Straßenbahnbetriebes auf den Gürtelstraßen zwischen Sülz und Ehrenfeld der Omnibusbetrieb auf dieser Strecke wieder eingestellt werden. Es verblieben von dem Gürtelomnibusbetrieb noch die Endstrecken zwischen Bayenthal und Sülz und zwischen Ehrenfeld und Zoo als besondere Omnibuslinien.
1931
umfaßte die Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft folgende Kraftverkehrslinien:

Kalk - Mülheim - Flittard

10,85 km

Bismarcksäule - Bayenthal - Südfriedhof - Sülzgürtel

6,10 km

Merheim lrh. - Longerich - Weiler

7,20 km

Ubierring - Reichenspergerplatz

7,20 km

Lindenthal - Gremberg

9,95 km

Zoo - Ehrenfeldgürtel

6,00 km

Lindenthal - Höhenberg

10,45 km

Insgesamt

57,75 km


1932
mußte auch die Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft, die in ihrer Betriebsrechnung mit einem Verlust von 232 000 RM abschloss, der allgemeinen Wirtschafts-depression ihren Tribut zollen. Der Linienbetrieb wurde wesentlich eingeschränkt. Die Omnibuslinien Kalk - Mülheim und Merheim - Weiler wurden wegen ungenü-gendem Verkehrsaufkommen eingestellt. Weiler, Longerich und der Flugplatz (Butzweiler Hof) erhielten eine Omnibuslinie zum Schlachthof. Mit der in diesem Jahre erfolgten Inbetriebnahme der unmittelbaren Straßenbahnverbindung Heumarkt - Neumarkt konnte der Omnibusbetrieb auf dieser Strecke eingestellt werden. Die durchgehenden Linienbetriebe von Lindenthal nach Gremberg und nach Höhenberg wurden so durch Omnibuslinien vom Neumarkt nach Lindenthal und vom Heumarkt nach Höhenberg und nach Gremberg ersetzt.

Liquidierung der Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft.


1933
Die Liquidierung erfolgte auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 31.07.33 der Kölner Straßen-Omnibus-Gesellschaft m.b.H. und die Angliederung des Omnibusbetriebes als Sonderbetrieb an die Bahnen der Stadt Köln.
1934
wurde der Straßenbahnbetrieb zwischen Mülheim (Wiener Platz) über die Frankfurter Straße, nach Höhenberg durch einen Omnibuslinienbetrieb ersetzt, der auch die Bedienung von Flittard mit übernahm.
Im gleichen Jahre wurde als zweite Straßenbahnstrecke die Strecke Neumarkt - Tacitusstraße, mit der Führung über die engen Straßen zwischen Neumarkt und Waidmarkt, auf Omnibusbetrieb umgestellt. Die mit dieser Umstellung gehegte Erwartung, dass der Omnibusbetrieb in diesen engen Straßen zügiger als der frühere Straßenbahnbetrieb verkehren könnte, erfüllte sich nicht. Die Linie erhielt später die Führung über Peterstraße Poststraße und Paulstraße.
1935
wurde der Omnibusbetrieb wieder wesentlich erweitert. Die Gremberg Omnibuslinie wurde über die Hohenzollernbrücke bis Dom/Hbf. verlängert. Die Omnibuslinie von Kalk über Buchforst nach Mülheim wieder eingerichtet und im folgenden Jahre bis Poll verlängert.
Die Omnibuslinie Flittard - Mülheim - Höhenberg wurde bis Kalk, Eythstraße durchgeführt, Die von Weiler über Longerich, Flugplatz nach dem Schlachthof führende Omnibuslinie wurde bis Kaiser-Wilhelm-Ring durchgeführt. Sie erhielt zur Verbesserung der Erschließung von Nord-Ehrenfeld die Führung über Herkulesstraße - Flughafenstraße - Äußere Kanalstraße. Im Lindenthaler Verkehr wurde eine zweite Omnibuslinie mit der Führung über Universität - Kerpener Straße - Josef Stelzmannstraße eingerichtet.

Der Omnibusbetrieb nach Worringen und Dormagen


1936
übernahmen die städtischen Bahnen die Omnibusbetriebe von Merheim lrh. über Fühlingen bzw. über Niehl - Merkenich - Rheinkassel - Langel nach Worringen. In dem Eingemeindungsvertrag vom Jahre 1920 war der Gemeinde Worringen der Bau einer Kleinbahn nach Dormagen zugesagt worden.
Mit Fortschreiten des Kraftverkehrs war die Wirtschaftlichkeit dieses Bahnbaues infrage gestellt. Er wurde deshalb aufgegeben. Fühlingen, Worringen und die übrigen genannten Rheinortschaften wurden nach 1925 durch die Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft und später durch die Rheinische Verkehrsgesellschaft erschlossen.
Auf Grund eines Stadtverordnetenbeschlusses vom 02.05.1929 wurde auf diesen Omnibuslinien die Fahrpreise nach Fühlingen auf -.40 Pf. und nach Worringen auf -.50 Pf. gegen Gewährung eines verlorenen Zuschusses durch die städtischen Bahnen verbilligt. Die Fahrpreise blieben damit immerhin noch fast doppelt so hoch als die innerstädtischen Straßenbahnfahrpreise.
Als am 01.04.1932 die Linien der Kölner Kraftwagenbetriebsgesellschaft auf die Post übergingen, übernahm diese auch die Bedienung von Worringen nach den Tarifsätzen der Straßenbahn gegen einen Zuschuss der städtischen Bahnen, der im Jahre 1933, 250 000 Mark betrug.
Als am 01.01.1935 das Umsteigerecht allgemein auch auf den Omnibusbetrieb ausgedehnt wurde, erhielt die Kraftpost die gesamte Fahrgeldeinnahme aus den von ihr ausgegebenen Umsteigefahrscheinen und einen verlorenen Zuschuss von 108 000 RM. Unter diesen Umständen erschien es vorteilhafter, die Bedienung von Worringen durch den eigenen Omnibusbetrieb durchzuführen.

Weitere Ausdehnung des Omnibusbetriebes bis 1939


Bis zum Kriegsausbruch erfolgten noch weitere Ausdehnungen des Omnibusbetrieb durch Einrichtung von Zubringerlinien zu den neu erstandenen Siedlungsräumen so 1936 die Einrichtung einer Omnibuslinie von Höhenhaus, Im Weidenbruch nach Thuleweg. 1937 von Rochuskapelle über Wilhelm-Mauser-Straße nach Siedlung Vogelsang. Letztere Linie wurde 1938 durch eine Verlängerung über die Vitalisstraße - Vogelsanger Straße mit der Linie Ehrenfeld - Nippes - Niehl - Zoo zu einem Linienbetrieb vereinigt.

Die Kriegseinschränkung im Omnibusbetrieb


Infolge der Auflage des Reichsverkehrsministers auf Stilllegung aller nicht kriegswichtigen Omnibuslinien wurde auch der Kölner Omnibusbetrieb zur Einsparung von kriegswichtigen Treibstoffen und Reifen zum großen Teil eingestellt, bzw. in seiner Netzausdehnung auf die Außenstrecken bis zum Anstoßpunkt an das Straßenbahnnetz beschränkt. Von den vor Kriegsausbruch bestandenen 14 Omnibuslinien mit einer Gesamtlinienlänge von 105,8 km konnten im 2. Weltkrieg nur folgende 4 Omnibuslinien, mit einer Gesamtlinienlänge von 45,9 km aufrecht erhalten werden:
*Linie 31 Höhenberg-Mülheim-Flittard
*Linie 38 Liebigstraße-Flughafen-Longerich-Weiler
*Linie 40 Merheim lrh.-Fühlingen-Worringen
*Linie 41 Merheim lrh.-Niehl-Merkenich-Langel-Worringen

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