Rund um die Päädsbahn

In der Entwicklung der Stadt hat sich der Pferdebahnbetrieb, besonders in der Wegbereitung für die Eingemeindungen der Nachbargemeinden bahnbrechend und fruchtbar ausgewirkt. Das später auf die verflossene Pferdebahnzeit verfaßte und oft gesungene Abschieds- und Spottlied wird jedenfalls der Bedeutung der Pferdebahn für die Entwicklung der Stadt Köln und auch der tatsächlichen Güte ihres Betriebes wenig gerecht:

Ei, was gehts gemütlich
mit der Pferdebahn!
Dat eine Päädche trick nit,
Dat andere, dat eß lahm.
Der Kutscher kann nit lenke,
Der Kondukteur eß schäl,
un alle fünf Minutte hält die Päädsbahn stell!

Andererseits erscheint aber das Klagelied des köl'schen Fiakers: "De Düvelspäädsbahn kohm........mer wodte lahm gelaht" etwas stark übertrieben. Die Fiakerromantik hat nicht einmal die Elektrische Straßenbahn vernichtet, Sie wurde erst durch den Kraftwagen abgelöst, der die Individualbedienung übernahm

E Kölsch Fiakerleed.
von Heinrich Körschgen.
Musik-Verlag Tonger, Rodenkirchen b. Köln

Wat wor dat doch en Kölle für e Levve,
als sei noch stunt, die ahl, die schön Stadtmoor!
Ming beste Schmeck, die hätt ich dröm gegevve,
wor noch dat ahle Köllen en singem Flor;
Doch hück, o jömmig, nä jed'wedes Kutscherhäzz,
dat kriesch un och sie Pääd, dat schött mem Stätz.

Jö, Lottche, jö treck ahn;
Hörsch do nit de Pferdebahn,
no kütt och noch zum Uvverfluß,
su ne' laus'ge Omelebus.

Dat besgen Brud, wat mer su soor verdeente,
en Schnei un Ihs, en Wind un Kält und Rähn,
wie die Stadtmoore sei verungeneete,
doh wor uns Elend och ald nit mie fähn;
Die Düfelspäädsbahn kohm, mer wohte lahm gelaht,
noh steht mer dagelang un hat kein Faht.

Wer Kutsch're hann ahn nix et fahle loße,
uns Wage fingen ehres Gliche nit,
doch stonn uns Pääd sich lahm bahl op der Stroße
un unserein weiß nit, wo't Foder kritt.
Et Pääd, dat friß jo noch, doch mehr verhungern bahl,
wör he un doh ald nit ens Stadtrotswahl.

Jo, jo, die Päädsbahn hätt et uns vordorve,
die fäht an jedes Huhs bahl op die Läuv,
fäht Bruckslück un wann einer eß gestorve.

Et wehd per Päädsbahn als sugar gedäuf,
ich sinn et kumme ald, mer sinn et secher noch,
De Päädsbahn mäht der Fastelovenszog.

De Concurrenz, die deiht, uns ganz verdränge,
dat hält et beste Pääd bahl nit mieh uhs,
et Neu'ste, wat et Unglöck uns däht bränge,
dat eß ne ungeheure Omelebus.
No hann mer gar nix mieh, miehn Lott dat friß ald Strüh.
Su geiht et met uns Kutsch're flott perdü.

"Wann dat su vürahn geiht, wat sall mer maache,
mer wand'ren all noch no Venedig uhs;
Anstatt Fiak're kaufe mer uns Naache,
dann hann mer ävver doch da eine Truß;
Et kütt kein Päädsbahn där, die sich ehr Schiene läht,
weil Wasser noch bis jetz kein Balke hätt.

Doch mingen Bock, wie künnt ich dä verloße?
Un och ming Schmeck, die litt am Häzze mer,
ich fahre wigger, durch de kölsche Stroße,
mit mingem Lott, däm Brung, däm treuen Dheer.
Ne kölsche Kutscher hat och ganz zuletz noch Trump,
em Nuthfall zeige mer der Schmeckestump

Rund öm de Päädsbahn

Ein Bild des gemütlichen Bahnbetriebes veranschaulicht nachfolgender Auszug aus den Dienstvorschriften des Jahres 1894:
" Der Schaffner muß, wenn Fahrgäste ein- und aussteigen wollen, auf Verlangen halten lassen mit Ausnahme folgender Stellen: Unmittelbar vor und hinter den Haltestationen, in den Gleiskurven, beim Einfahren in die Ausweichen, bei Straßen- und Eisenbahnübergängen, sowie vor der Einfahrt in die Thorpassagen und während der Durchfahrt durch dieselben.
Das Zeichen zur Weiterfahrt darf er nicht eher geben, als bis der Einsteigende Platz genommen bzw. der Aussteigende die Erde erreicht hat.
In schnellerer Gangart als im Trabe zu fahren, ist untersagt. Schritt muss gefahren werden bei Annäherung an Straßenkreuzungen, Eisenbahnübergängen und bei Thorfahrten innerhalb der Thorpassagen. Dagegen sind die Straßenkreuzungen selbst im Trabe zu durchfahren.
Auf abschüssigen Bahnstrecken ist von der Bremse Gebrauch zu machen. Die Bogengleise sind im allgemeinen in gemäßigter Gangart zu durchfahren. Das Kreuzen in denselben ist zu vermeiden, der den inneren Bogen durchfahrende Wagen fährt stets zuerst durch.
Im Falle der Überfüllung der Wagen haben diejenigen Fahrgäste, welche der Schaffner bezeichnet, den Wagen zu verlassen.
Das Verlassen der Wagen an den Endpunkten darf niemals von Schaffnern und Kutschern gleichzeitig geschehen.
Verständigung der Fahrbediensteten unter sich durch Zeichen und Gebärden über die etwaige Anwesenheit von Aufsichtbeamten auf der Strecke wird mit sofortiger Entlassung bestraft.
Die Annäherung an einen während der Fahrt haltenden Wagen darf nur bis auf höchstens 20 m geschehen. Die an den Endpunkten haltenden Wagen müssen so weit voneinander halten, dass die Pferde die Flurbrüstung nicht benagen können - wo hierfür nicht Raum genug vorhanden ist, hat der Kutscher oder der Schaffner die Pferde zu bewachen.
Haltung und äußere Erscheinung des Schaffners und Kutschers muss eine militärisch stramme sein, dementsprechend soll auch der Gruß durch das Anlegen der rechten Hand an die Mütze geboten und die Dienstkleidung zugeknöpft getragen werden. Um Entgleisungen zu vermeiden ist darauf zu achten, dass die Flure möglichst gleichmäßig besetzt sind, namentlich soll der Hinterflur nicht überladen sein, während der Vorderflur leer ist.
Sobald innerhalb des Gleises das Pflaster aufgebrochen ist, hat der Schaffner das Pferd an den Kopf zu fassen und über die aufgebrochene Stelle zu führen. Die beweglichen Weichen sind durch den Schaffner zu stellen und zwar nie mit den Füßen oder Händen, sondern nur mit dem Weichenstelleisen.
Das Anfassen der Fahrgäste "beim Einsteigen und Anweisen von Plätzen, insbesondere Vertraulichkeiten gegen Damen beim Auf- und Absteigen sind streng verboten.
Laternen oder Lampen dürfen beim Anzünden nie auf die Sitzbänke oder Flurbrüstungen der Wagen gestellt werden, damit die Kleider der Fahrgäste nicht beschädigt werden.
Das Auf- und Absteigen vom Vorderflur ist tunlichst zu verhindern und nur wahrend des Haltens der Wagen gestattet. Für auf der Straße stehende Leute, welche mitfahren wollen, ist so anzufahren, dass sie den Hinterflur besteigen müssen«
Die Peitsche ist während der Fahrt unbedingt erforderlich und muss sich in gutem Zustand befinden. Missbrauch derselben bei den Pferden zieht strengste Bestrafung nach sich. In dem Peitschenschlage dürfen sich keine Knoten befinden. Nach rückwärts zu sehen, ist dem Kutscher auch beim Anhalten des Wagens nicht gestattet.
Unnötiges und andauerndes Anschlagen der Glocke, namentlich das Schellen nach einem gewissen Takt, sowie das Festhalten des Klöppels am Rande derselben ist verboten. Den Fahrgästen ist der Gebrauch der Glocken niemals zu gestatten.

Der Stadtanzeiger berichtet im Februar 1883:
"Wohl in keiner anderen Straße unserer Stadt haben die Beamten unserer Pferdebahnwagen so große Vorsicht nötig als auf der Friesenstraße, denn nirgendwo werden die Wagen von der Jugend in einer so nichtsnutzigen Weise belästigt als eben hier.
Schreiend und lärmend, die Beamten wie die Passagiere verhöhnend, laufen große und kleine Buben neben, vor und hinter den Wagen her, springen auf die Wagentritte, schlagen mit Stöcken nach den Signalglocken.
Erwachsene sehen sehr häufig dem äußerst gefährlichen Treiben der goldenen Jugend vollständig teilnahmslos zu. Es hat den Anschein, dass hier seitens der Eltern nicht eher Wandel geschafft wird, bis ein Unglück geschehen ist.
Vorgestern lief ein kleiner Knabe plötzlich ehe der Kutscher es ahnen konnte, vor sein Pferd und geriet unter dasselbe. Nur der Geistesgegenwart des Wagenführers und seiner schnellen und kräftigen Handhabung der Bremse war es zu danken, dass der Junge nicht überfahren wurde.

Die allerletzte Päädsbahn.

Die allerletzte Päädsbahn trat am 22.05.1907 um 21.00 Uhr ihre letzte Fahrt von Nippes zur Flora an.
Die Gärtner der Flora hatten ihre beliebte Pferdebahn auf ihrem Grabweg mit Blumen aller Art geschmückt. Eine Kapelle spielte, ein Gesangsquartett sang und unter den Klängen "Muß i denn? muß i denn zum Städtelein hinaus" setzte sich der letzte Pferdebahnwagen in Bewegung« Er war besetzt von den Spitzen der Behörde und mit modisch gekleideten Frauen mit hohen aufgetürmten Frisuren und Blumenhüten.
In Riehl ging's unter Raketenfeuer und Abschiedsgrüssen zum Nordbahnhof, wo der Wagen noch ein letztes Mal im Foto festgehalten wurde. Die Gäule gingen zur Auktion oder in die Wurstfabrik. Die Spatzen, die Bewohner der Ställe und ständigen Begleiter der Pferde bei ihren täglichen Fahrten, zogen zu neuen gastfreien Schlaf- und Futterplätzen aus.
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